Innovationen in der Theorie

Besser eine überholte Theorie der Praxis anpassen als umgekehrt.
(Auch Theorien sind Produkte/Werkzeuge – und sie haben einen Lebenzyklus.)

Warum sind die klassischen ökonomischen Methoden und Instrumente überholt?
Weil ihre Grundlagen noch aus einer Zeit stammen, in der der Mensch – und damit seine Fähigkeiten – nicht zählte. Nun kann aber mit den Messgrössen, die von einem Erklärungsmodell vorgegeben sind, nicht mehr gemessen werden, als in den Grundlagen des Erklärungsmodells vorgesehen sind.

Im klassischen ökonomischen Modell geben die Produktionsfaktoren Boden [Messgrösse: Quadratmeter], Arbeit [Messgrösse: Stück (Ein systemischer Fehler der Theorie, weil mit dieser Messgrösse nur ein Teil der Ergebnisse von Arbeitsprozessen – nur materielle Ergebnisse – gemessen werden kann. Schon in den Grundlagen der Theorie werden sowohl die immateriellen Ressourcen als auch die immateriellen Ergebnisse und erst recht die eigentliche Arbeit völlig ausgeblendet.)] und Kapital [Messgrösse: Geld] die Rahmenbedingungen für die quantitative Logik der Ökonomen. Sie bestimmen quasi den „Tellerrand für die Gültigkeit der Theorie.“

Wie man halt aus einem Ruderboot auch kein Motorboot machen kann, ohne dass man einen Motor einbaut, kann man auch aus der alten ökonomischen Theorie auch keine neue machen, ohne dass man etwas substanziell Neues einbaut.

Und wenn man immaterielle Produktionsfaktoren (sowohl als Ressource als auch als Ergebnis eines Prozesses) in der Theorie berücksichtigen will, kommt man nicht darum herum, auch für diese eine quantitative Logik – ein Masssystem und eine Formel – bereit zu stellen. Mit anderen Worten: Ein zentrales Paradigma, das in den Köpfen von tausenden gebildeter Personen in Wirtschaft und Politik deren „rationalen Entscheide“ prägt, muss (und kann) erweitert werden.

Ein derart erweitertes „Produktions- und Messparadigma“ führt ganz logisch zu fundamental neuen Freiheiten in der nachhaltigen Gestaltung wirtschaftlicher und politischer Systeme. Es ist nämlich sehr unökonomisch, mit überholten Instrumenten zu schaffen. Ganz analog zum Motorboot, mit dem sich auch andere Ziele erreichen lassen, als mit dem Ruderboot.

Zu dem Bild:
Innovationen verlaufen S-förmig. Alte Methoden kommen irgendwann an ihre Anwendungsgrenzen und werden durch Weiterentwicklungen mit neuen Ansätzen ergänzt und teilweise abgelöst oder in anderen Fällen sogar obsolet. Der „Black Swan“ in dem Bild nimmt auf die Tatsache Bezug, dass Adam Smith schon vor seinem Buch „Wohlstand der Nationen“ (das mit dem Boden-, Arbeit-, Kapital-Paradigma) sein „Moral Sentiments…“ veröffentlicht hat. Es geht jetzt eigentlich „nur“ noch darum, dass diese Elemente auch berücksichtigt werden können, indem man dafür eine geeignete Metrik einführt. Man misst das Licht ja auch nicht in Meter, Stück oder Franken.

Innovation in den Wirtschaftstheorien

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Hier noch ergänzende Links zu verschiedenen Bemühungen, bessere Erklärungsmodelle (Theorien) für eine nachhaltigere Wirtschaftsentwicklung zur Verfügung zu stellen.

– Metaeconomics, Universität von Nebraska, Gary D. Lynn

– www.paecon.net; eine Sammlung von Schriften, eine „Bewegung“ (Post-Autistic Economic Network) mit fundierten Beiträgen über die Grenzen der klassischen Wirtschaftstheorie. Und darüber hinaus.

– www.neweconomics.org/; New Economics Foundation, eine englische Organisation mit breiter Perspektive.

– Management Innovation eXchange.com eine Organisation unter der Leitung von Gary Hamel, die sich mit Innovationen in den Management-Theorien beschäftigt. In der Denkweise der US-Amerikaner sind Management-Theorien auch Produkte, die einem Lebenszyklus unterworfen sind.

Ein Gedanke zu „Innovationen in der Theorie“

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